Lust auf TFP? So bewirbst Du dich richtig!

TFP Shootings - für inzwischen nahezu jedes Mädchen ein Begriff. Time for Prints, zu deutsch "Zeit für Bilder" bedeutet so viel wie, dass das Model seine Zeit für den Fotograf kostenlos opfert und der Fotograf dafür kostenlos Bilder hergibt. Doch leider wird dieser Begriff sehr inflationär benutzt und man bekommt immer mehr Anfragen in immer nüchterner Ausführung. Deshalb möchte ich Euch einen kleinen Einblick darin gewähren, wie man sich richtig bewirbt und wieso TFP für Berufsfotografen ein schwieriges Thema ist.

So am besten nicht.

"Lust auf ein Shooting?" oder "Hey, coole Bilder, hätte Interesse an einer Zusammenarbeit." sind keine, ich betone, wirklich KEINE Anfrage, die auch nur irgendein Fotograf hören möchte. Wieso? Es klingt nicht danach, als ob sich das Model wirklich dafür interessieren würde. Im Gegenteil, es kann sogar den Eindruck vermitteln, das Model sei eingebildet. Klingt hart, ist aber so. Und auch wenn das Model sagt, es würde sich darüber freuen - das ist schön, aber ein paar Infos mehr wären nett.

Wenn ihr euch ernsthaft auf ein TFP-Shooting bewerben wollt, solltet ihr euch darüber im Klaren sein, dass das normalerweise Geld kostet. Andersherum ist das übrigens genauso! Auch ich bewerbe mich bei professionellen Modellen für TFP-Shootings, ich frage also nach etwas, für das ich normalerweise Geld bezahlen müsste. Deshalb gebe ich mir auch Mühe dabei, denn das erhöht meine Chancen auf jeden Fall.

 

Ihr dürft nicht vergessen, dass gerade Berufsfotografen wie ich tatsächlich davon leben. Zeit ist bekanntlich Geld, und wenn ich eine Initiativbewerbung bekomme, erwarte ich auch, dass ich zusätzlichen Infos und Bilder nicht noch hinterherrennen muss, denn dafür fehlt mir einfach die Zeit. 

 

(Ihr müsst entschuldigen - Ich drücke mich hier sehr deutlich und vielleicht auch etwas harsch aus, aber das Thema ist kommt mir langsam zu den Ohren raus, deshalb muss einfach mal Klartext gesprochen werden.)

"Hallo Markus" - äh, nein. 

 

Copy & Paste ist ein beliebtes Werkzeug, schnell und zuverlässig Texte an mehrere Personen zu verschicken. Dass man nicht jedem Fotograf einen anderen Text schicken will, kann ich schon verstehen (kostet ja auch Zeit), aber bitte - achtet wenigstens darauf, den Namen zu ändern. 

Das sieht doch schon besser aus.

"Hallo (Fotografenname), meine Name ist (Modelname).." - so würdet ihr euch doch auch im echten Leben vorstellen. Und jetzt noch ein paar Infos dazu:

 

- Alter

- Wohnort

- Angaben zu Körpergröße, Konfektionsgröße (und  eventuell Maße)

- Aufnahmebereiche!

- eventuell wie lange ihr schon modelt

- eventuell wie ihr auf den Fotograf gekommen seid

 

Außerdem sollten auf jeden Fall Bilder von euch dazu - keine Duckface Selfies, sondern Bilder von euren Shootings und gerne auch ein paar ungeschminkte, lockere Selfies (nur bitte kein Duckface, zugekniffene Augen oder wo man nur 1/3 eures Gesichtes sieht und stattdessen euer Haustier).

Da freut man sich doch,wenn man so etwas zu lesen bekommt! Alles wichtige drin und dazu gleich noch ein paar Bilder angehängt und fertig ist eine kurze und ansprechende Bewerbung für ein Fotoshooting! 

 

Ich selbst freue mich wirklich darüber, selbst wenn ich in dem Moment kein offenes Projekt habe. Und manchmal ergibt sich dann trotzdem ein Fotoshooting, obwohl ich nichts geplant hatte, einfach weil mich der Text und die Bilder angesprochen hat und solche Nachrichten von ernsthaftem Interesse zeugen.

TFP - ein leidiges Thema

Viele verstehen im ersten Moment nicht, wieso ich bei diesem Thema etwas gereizt reagiere, deshalb möchte ich das nochmal genauer erläutern.

 

Wie ich oben schon schrieb, lebe ich von der Fotografie. Aber vielen ist nicht klar, was das denn nun bedeutet. Ich drücke es mal so aus: das, was andere 8 Stunden am Tag, regelmäßig 5 oder 6 Tage in der Woche machen und dafür jeden Monat dasselbe Gehalt bekommen, sind für mich nicht nur die Fotoshootings, sondern auch die Zeit, die ich am PC mit der Nachbearbeitung verbringe. DAS ist mein Vollzeitjob. Das bedeutet, dass ich von den Shootings neben  Lebenserhaltungskosten (Essen, Trinken, Wohnen) und meinem Auto auch andere Dinge zahlen muss, wie z.B. meine Krankenversicherung, wo ich ja Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil selbst zahle. Außerdem habe ich eine teure Ausrüstung und miete ein Studio. 

 

Deshalb sind TFP Shootings bei mir immer nur dann möglich, wenn ich damit mein Portfolio auch erweitern kann. Daher erwarte ich von den Modellen Professionalität, selbstständiges und sicheres Posen, Erfahrung vor der Kamera und auch eine gewisse Art von "Schönheit". Auch das klingt wieder hart, denn Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters, aber ich meine damit einfach das gewisse Etwas, etwas, das mich fasziniert und das zu meiner Arbeit passt. Zudem erwarte ich die Fähigkeit, Ausschreibungen AUFMERKSAM durchzulesen und sich auf Shootings, wo ich einen bestimmten Typ suche, nur zu bewerben, wenn man sich in der Beschreibung wiederfindet (kleines Beispiel - ich suchte rothaarige Mädels mit Sommersprossen und hellen Augen, da bewarb sich eine Blondine mit den Worten "passt vielleicht nicht ganz auf die Ausschreibung, aber.." - nichts aber, es passt nicht. Punkt.)

 

Natürlich gebe ich auch gerne Anfängern die Chance auf ein Shooting, wenn ich den Eindruck habe, dass die Chemie stimmt und wir tolle Bilder schießen können. Aber ich bin der Meinung, dass wenn man als Anfänger-Model sich ein tolles Portfolio aufbauen will, man doch auch mal auf ein Shooting bei einem guten Fotograf sparen kann und danach auch wirklich tolle Bilder vorzeigen kann. Denn auch das erhöht die Chance auf ein TFP Shooting! 

 

(Für alle, die sich jetzt fragen, warum einen Fotograf dafür bezahlen - ich denke, der Profi kann eben doch das Beste aus einem Mensch rausholen und weiß auch anzuleiten, was das Posing angeht.)

 

 

 

 

So. Wer bis hierhin gelesen hat - dankeschön, dass Du meine Laune ertragen hast! Das musste jetzt einfach mal raus! :D 

 

Über Kommentare freue ich mich natürlich, seien es Fragen oder Anregungen oder einfach, wenn Du Fotograf bist und das Thema genauso kennst. :) 

 

 

 

 

In diesem Sinne, ich wünsche euch einen guten Start in die Woche!

Janina

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Kommentare: 4
  • #1

    Michele De Leo (Sonntag, 05 März 2017 22:31)

    Hallo Janina,
    dein Artikel über TfP ist richtig gut. Es hat mir sehr gut gefallen, wie du alles erläutert hast. Und das mit der Bewerbung... Mega. Was mir passiert ist: Letzte Woche habe ich eine Anfrage erhalten für eine Hochzeitsreportage (soweit alles super) am Ende der e-Mail stand: Damit wir Sie unterstützen bei ihrem Portfolio, würden wir gerne die Reportage auf TFP Basis erhalten..... Ich war so glücklich �
    Das war bis jetzt die lustigste Anfrage.
    Ich überlege mir da immer, wie bewerben sich die Leute auf eine Arbeitsstelle ? Da ich für Sie arbeite und ihre Produkte verkaufe, möchte ich kein Geld ?! Ist ja auch eine Unterstützung :)
    Naja..... Danke für's lesen.
    Bald sehen wir uns wieder, freue mich.
    Wünsche dir noch eine gute Nacht.
    Grüße
    Michele

  • #2

    Domi (Dienstag, 14 März 2017 20:13)

    Ich bin zwar eine Hobbyfotografin, die noch am Anfang steht, aber kann dich echt verstehen. Du hast da aufjedenfall Recht. Wenn man sich bewirbt und es ernst meint, sollte man sich Mühe geben. Ich finde die jenigen die ein TFP Shooting oder allgemein ein Shooting möchten sollten die Arbeit wirklich wertschätzen und sich auch vor Augen halten wie viel Zeit Es kostet und wie viel Arbeit es ist. Man muss das Shooting vorbereiten, planen, sich Gedanken machen, dann noch die Bilder aussortieren, Bearbeiten etc.. Deswegen finde ich es richtig und auch dein gutes Recht das so offen und ehrlich zu schreiben. Für mich macht es dich sehr sympathisch.

    P.S. Tolle Arbeiten!

    LG Domi

  • #3

    Nina (Montag, 24 April 2017 21:24)

    Cooler Beitrag und wirklich nachvollziehbar :)
    Viel Glück mit deiner weiteren Arbeit.

  • #4

    Tamara (Montag, 01 Mai 2017 20:52)

    Schön geschrieben - bei der Flut an Anfragen ärgert das einen natürlich, wenn man unpassendes aussortieren muss, gerade wenn von vorn herein eindeutig ein bestimmter Typ gesucht war :D


    Andersrum aber genauso ärgerlich: Man nimmt sich die Zeit und schreibt ausführlich einem Fotografen, fragt nach einem BEZAHLTEN Shooting und bekommt (warscheinlich weil man kein "Model" ist, sondern ein "Normalo", die einfach gerne schöne Bilder möchte) nie eine Antwort. Sehr schade.

    TFP heißt nicht ohne Grund so. Und für den Portfolioaufbau absolut sinnvoll... und Wenn ein Fotograf qualitativ schöne Bilder liefert, zahlt man gerne für ein Shooting :)